Here

Jahr: 2024 | Regie & Buch: Robert Zemeckis (Buch mit Eric Roth) | Spielfilm | 104min

Anfang der 2000er Jahre war die Webcam Technologie, ebenso wie das Internet, noch recht neu. Ich las in jenen Tagen meinen ersten Roman in englischer Sprache (der zum Glück sehr kurz war, denn ich musste zahllose Wörter übersetzen und damals musste man noch in einem großen Wörterbuch nachschlagen, heute verlegt sich das ins Internet und geht ungleich schneller). Wahrscheinlich hat mich das Übersetzen so sehr mitgenommen, dass ich mich nicht mehr an die Story des Romans erinnern kann, nur eine Erzählkonstellation ist bis heute nicht vergessen; die amerikanische Hauptheldin saß immer nachts an ihrem Computer und beobachtete die Bilder einer Webcam aus Kotka / Finnland, welche eine Straße aufnahm, in der für gewöhnlich nichts passierte. Ich fand diese Szenen großartig, einfach durch seinen Computer – in der Stille des eigenen Lebens – live in die Welt hinauszuschauen, was der Rest der Welt so macht. Heute gibt es zwar alle möglichen Webcams und man kann 24/7 auf diese zugreifen, aber diese Angebote zu nutzen und alle möglichen Plätze des Planeten anzusehen, habe ich dann doch nie richtig gemacht.[1]
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Empire of Light

Jahr: 2022 | Regie & Drehbuch: Sam Mendes | Spielfilm | 119min | Location: Südküste Englands in den frühen 1980er Jahren

Eine der vielen Sachen, die ich mir in meinem Leben hätte gut vorstellen können, wäre es gewesen, an der englischen Küste zu leben (bevorzugt Devon oder Cornwell). Das habe ich zwar fast ein Jahr gemacht und der Regen in den Wintermonaten war langanhaltend und nervtötend wie ein Tag mit stechendem Kopfschmerz und ohne Aspirin, doch auf der anderen Seite ist diese Gegend eine der reizvollsten und liebeswertesten, die ich kenne.

Sam Mendes entführt uns in seinem 9.Kinofilm an die Südküste Englands in eine Stadt am Meer, die ein beeindruckend schönes Kino sein Eigen nennen kann. Dieser Bau aus den 1920er oder 30er Jahren, als modernes Bauen seinen ästhetischen Höhepunkt feierte, hat in den 1980er Jahren etwas an Strahlkraft verloren, obwohl Kinodirektor Mr.Elis (Colin Firth) das Empire Kino mit einer Südengland Premiere und dem damit verbundenen Trubel aufwerten will. Seine wichtigste Angestellte ist Hillary (Olivia Colman), die sich um alles im Kino zu kümmern scheint, Kartenverkauf, Zuschauerzufriedenheit und die allgemeine Ordnung der Dinge. Darüber hinaus bereitet sie noch Mr.Elis Gefallen, die weit über ein Angestelltenverhältnis hinaus gehen. Doch Hillary ist eigentlich eine sehr einsame Frau, an der das Leben vorbei zu rauschen scheint. Das ändert sich mit der Ankunft von Stephen (Michael Ward), der mit jugendlichem Elan und gutem Aussehen Leben und Freude in das Tagewerk der Kinoangestellten bringt. „Empire of Light“ weiterlesen

Kinds of Kindness

Jahr: 2024 | Regie & Drehbuch: Giorgos Lanthimos (Drehbuch mit Efthymis Filippou) | Spielfilm | 165 min

Es gibt kaum einen Regisseur, der mich so fasziniert wie Giorgos Lanthimos. Oder sagen wir lieber, es gibt kaum solche faszinierenden Filme, wie die von Giorgos Lanthimos. „The Lobster“ aus dem Jahr 2015 halte ich immer noch für einen der besten Liebesfilme aller Zeiten (mindestens der beste nicht-romantische Liebesfilm der Geschichte). Sein vielgepriesenes 2023er Werk „Poor Things“ fand ich nicht wirklich berauschend, weshalb ich vielleicht mit etwas gedämpfter Vorfreude sein neuestes Werk „Kinds of Kindness“ sah. „Kinds of Kindness“ weiterlesen

Juror#2

Jahr: 2024 | Regie: Clint Eastwood | Drehbuch: Jonathan Abrams | Gerichtsdrama | 114min

Im November letzten Jahres (in Deutschland allerdings erst im Januar 2025) startete Clint Eastwoods 41. Film als Regisseur! Es ist für den mittlerweile 93-jährigen, der Abschied aus dem Filmbusiness und an dieser Stelle sein schon gesagt, er tut dies mit einem sehr eindrücklichen Film.

Justin Kemp (Nicholas Hoult) lebt zusammen mit seiner Frau Ally (Zoey Deutch) und sie stehen kurz davor endlich ihr erstes Kind zu bekommen. Da kommt die Verpflichtung in einer Geschworenen-Jury zu sitzen, nicht gerade zeitlich günstig. Verhandelt wird der Fall von James Michael Sythe (Gabriel Basso), der wegen Mordes an seiner Freundin Kendall (Francesca Eastwood) angeklagt ist. Trotz der Einwände von Justin, seine Frau sei in einer Risikoschwangerschaft, wird er als Geschworener berufen und erlebt, wie die Staatsanwältin (Toni Colette) die Fakten der Anklage präsentiert und der Pflichtverteidiger (Chris Messina) von Sythe versucht eher bemüht, diesen zu entlasten. Bei der Präsentation des Tatvorgangs bemerkt Justin Kemp nicht nur, dass er zur Tatzeit in der gleichen Bar war, in welcher der Angeklagte und das Mordopfer einen Streit hatten, sondern auch, dass sein längst vergessener Wildunfall auf dem damaligen Heimweg vielleicht gar kein Wildunfall war, wie Justin seinerzeit dachte, sondern unmittelbar mit dem Tod von Kendall zu tun haben könnte. Als Anonymer Alkoholiker berichtet er seinem Sponsor Larry (Kiefer Sutherland) von seinem Verdacht, dass er unbewusst Kendall umgefahren haben könnte, und Larry, der auch Anwalt ist, rät ihm, keinesfalls diesen Verdacht auszusprechen, da ihm erhebliche strafrechtliche Konsequenzen drohen könnten. Mit diesem Wissen geht Kemp in die Beratungen der Jury, die sich bis auf ein Mitglied, dem Ex-Cop Harold (J.K. Simmons) einig sind, dass Sythe der Mörder war. Justin steht vor einer Zwickmühle, sein Gewissen sagt ihm aber, Sythe nicht zu schnell zum Mörder zu verurteilen. „Juror#2“ weiterlesen

Alpen

Jahr: 2011 | Regie & Drehbuch: Giorgos Lanthimos | Drama | 93min

Lange stand schon „Alpen“ von Giorgos Lanthimos auf meiner Film-Watchlist und die Erweiterung meiner Möglichkeiten über das neue Filmportal Mubi, machte es nun möglich den Vorgängerfilm von „The Lobster“ zu sehen, einen fast schon Klassiker zu nennenden Film, den ich für einen der besten der 2010er Jahre halte. „Alpen“ weiterlesen

Another World

Jahr: 2011 | Regie & Drehbuch: Mike Cahill | Drama | 93min

„Another Earth“ erzählt die Geschichte von Rhonda Williams (Brit Marling) deren Leben ihr zu Füßen liegt. Sie ist am MIT für ein Studium zugelassen, einer Karriere scheint nicht viel im Weg zu stehen. Sie feiert das Ereignis mit Freunden und fährt leicht angetrunken nach Hause, als im Radio von einem neuen Planeten gesprochen wird, der wie die Erde aussieht und tatsächlich auch mit bloßem Auge von dieser aus, gesehen werden kann. Da lohnt sich ein Blick aus dem fahrenden Auto, doch unglücklicherweise rammt sie damit, ein an einer Kreuzung stehendes Auto des Musikprofessors John Burroughs (William Mapother), der bei diesem Unfall seinen Sohn und seine Frau verliert.

Vier Jahre später wird Rhonda aus dem Gefängnis entlassen und erfährt davon, dass John Burroughs noch lebt, der jedoch an seiner Existenz zu zerbrechen scheint. Sie will sich bei ihm entschuldigen, schafft dies aber nicht und wird seine Putzfrau. Währenddessen ist der sichtbare Planet immer noch da und die Vermutungen scheinen sich zu bestätigen, dass er so etwas wie eine gespiegelte Erde ist. „Another World“ weiterlesen

Rushmore

Jahr: 1998 | Regie & Drehbuch: Wes Anderson | Komödie | 93min

In der auf dieser Seite eingerichteten Reihe „Filmklassiker der Jahrtausendwende“ wurde schon längere Zeit kein Film mehr beleuchtet. Als ich neulich die Möglichkeit hatte, Rushmore von Wes Anderson zu sehen, dachte ich, ich hätte den Film bereits geschaut, aber tatsächlich gibt es keinerlei Aufzeichnungen darüber und ich vermute, der Filmgenuss lag noch vor der Zeit, als ich mir zu jedem Film etwas notiert habe. Wes Anderson gelang es mit diesem, seinen zweiten Streifen seinen Durchbruch zu erleben und heute gilt „Rushmore“ als kultiger Klassiker der Low-Budget Filmkomödien der 90er. „Rushmore“ weiterlesen

The Wizard of Lies

Jahr: 2017 | Regie: Barry Levinson | Filmbiographie | 133min

Wie Sie, geneigter Leser dieses Blogs, vielleicht wissen habe ich dieses Jahr mein Interessensgebiet auf den Finanzbereich ausgeweitet und dabei begegnete mir der Fall von Bernard Madoff, der – wie sich 2008 herausstellte – ein riesiges Betrugssystem als Investmentbanker aufbaute, dass seinerzeit in sich zusammenfiel und allerhand geprellte Investoren zurückließ und es gibt nicht ärgerlicheres als Geld auf dem Finanzmarkt zu verlieren, wie ich ihnen als Junginvestor berichten darf!
Barry Levinsons (den man als Regisseur zahlreicher Klassiker wie „Rain Man“ oder „Good Morning Vietnam“ kennen mag) Film erzählt, wie Madoff (Robert De Niro), einer der angesehensten Männer der Wall Street von einem geschätzten Geschäftsmann und Familienvater zu einer persona non grata wurde. „The Wizard of Lies“ weiterlesen

Der beste Film aller Zeiten

Originaltitel: „Competencia oficial“ | Jahr: 2021 | Regie & Drehbuch: Gastón Duprat, Mariano Cohn (Buch mit Andrés Duprat) | Satire | 114min | Location: Avila (Spanien)

Seit Streaming Anbieter genauer darauf achten, welche Endgeräte in welchen Haushalten liegen und der eigene Anschluss eine geografische Distanz zum Anschluss des Entgeltzahlenden verortet ist, ist es etwas schwieriger geworden, sich kostensparend durch das Film- und Serienuniversum zu bewegen. Doch günstigerweise zahlen wir alle Rundfunkgebühren und können dadurch auf die Mediatheken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zugreifen. In diesen Archiven findet sich das ein oder andere Objekt noch nicht gesehener cineastischer Begierde.

Mehr Erwartungen als der Titel des Filmes „Der beste Film aller Zeiten“ kann man kaum beim Zuschauer wecken, wobei an dieser Stelle erwähnt sein muss, dass dies wiederum eine Besonderheit der deutschen Übersetzung ist, denn im spanischen Original, ist der Film mit „Competencia oficial“ betitelt. Wir erleben einen Milliardär (José Luis Gómez) der etwas betrübt über das eigene Lebenswerk zurückblickt, weil er zwar extrem vermögend ist, aber ihm irgendetwas für seine Legacy fehlt. Da dieses fehlende Puzzleteil nicht Geld ist, versucht er eben jenes einzusetzen, um zu schauen, ob vielleicht der beste Film aller Zeiten von ihm finanziert werden könnte und sich dadurch ein zufriedenerer Blick auf sein Lebenswerk erreichen läse. So wird ein gefeiertes Buch gekauft und die beiden besten Schauspieler des Landes engagiert, den von der Kritik gefeierten Charakterdarsteller Iván Torres (Oscar Martínez) und den populären Hollywoodstar Félix Rivero (Antonio Banderas). Beide, nicht gerade mit eingezäunten Egos versehene Stars, sollen von der Autorenfilmerin Lola Cuevas (Penélope Cruz) zu einer einmaligen Zusammenarbeit inspiriert werden. Cuevas setzt Vorproben an, um die beiden Alpha-Männchen, für den Stoff zu sensibilisieren, doch die Eigenwilligkeiten ders Trios sind kaum zu übersehen. „Der beste Film aller Zeiten“ weiterlesen

Anatomie eines Falls

Originaltitel: „Anatomie d’une chute“ | Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Justine Triet (Buch mit Arthur Harari) | Justizdrama | Location: französische Alpen

Dieses Jahr bin ich in einer „Oscar-Laune“, was nichts anderes heißt, als dass ich versuche, möglichst viele Filme zu schauen, welche eine Nominierung oder gar einen Preis bei den diesjährigen Academy Awards erhalten haben. Mit fünf Nominierungen und einer Auszeichnung für das beste Drehbuch war der französische Film „Anatomie eines Falls“ der beste europäische Beitrag und nicht nur wegen der Nominierung für Sandra Hüller für die beste weibliche Hauptrolle, war dieses Justizdrama quasi noch ein Pflichtprogramm für meine „Oscar-Laune“.

Sandra Voyter (Sandra Hüller) lebt mit ihrem Mann Samuel Maleski (Samuel Theis) und ihrem sehbehinderten Sohn Daniel (Milo Machado-Graner) in einem ausgebauten Chalet in den Bergen der französischen Alpen. Während Sandra als Autorin gewisse Erfolge aufweisen kann, ist ihr Mann eher ein verhinderter Schriftsteller und es scheint, dass er etwas eifersüchtig auf den beruflichen Erfolg seiner Frau ist, denn er stört ihr Interview mit einer interessierten Studentin (Camille Rutherford) durch das Abspielen lauter Musik. Als der Gast das Chalet der Familie verlässt und der Sohn zu einem Spaziergang mit seinem Hund aufbricht, geschieht ein Unglück bei dem Samuel stirbt (das wir als Zuschauer aber nie zu Gesicht bekommen). Da nur Sandra im Haus ist, kreisen die Ermittlungen schnell um die Frage, hat sie ihren Mann umgebracht?
Ein Jahr später findet eine Gerichtsverhandlung statt, bei welcher Sandra von einem ehemaligen Freund (Swann Arlaud) anwaltschaftlich vertreten wird. Auf der Gegenseite fährt der Staatsanwalt (Antione Reinartz) schwere Geschütze gegen Sandra auf. „Anatomie eines Falls“ weiterlesen